Jochen Schimmang
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Description
Deutscher Schriftsteller, Hörspielautor und Übersetzer.
Books
Vier Jahreszeiten
Nachdruck der vier Kurzgeschichten "Der beste Tag der Welt", "Risse in der gelben Stadt", "Der Gang durch die Zeichen" und "Ein Abschied im Winter", die 1995 im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt veröffentlicht worden waren.
Adorno wohnt hier nicht mehr
Vor 50 Jahren, im August 1969, starb Adorno – und Jochen Schimmang übt sich in Abwesenheitspflege. In melancholischen bis heiteren, zum Teil autobiografisch gefärbten Geschichten erzählt er von Formen und Figuren des Verschwindens. Von Menschen, Gebäuden, ganzen Vierteln; von Techniken, Gesten, Sprechweisen. Ein Jubilar versteckt sich mit seiner Frau auf dem Dachboden vor seinen Freunden, die zum 70. Geburtstag aus allen Himmelsrichtungen auf ihn einstürmen, obwohl er viel lieber nur mit zweien von ihnen essen gegangen wäre. Rothermund macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Maler Gutermuth. Ein Spaziergang durch Frankfurt zeigt, wer, außer Adorno, noch alles nicht mehr dort wohnt. Aber Spaziergänge sind ohnehin sterbende Institutionen, ein Sich-Verirren in der Welt kann zum Verwirren der Welt werden. Milieus, die sich nicht mehr erreichen, Nomaden in Monaden. Nur Gott ist nicht verschwunden, er taucht pünktlich um halb sieben in der Kirche auf – im Fischgrätmantel. Jochen Schimmangs feinsinnige Erzählungen gehen auf Spurensuche nach Lücken und Verlusten und zeigen zugleich, dass »Identität« eine höchst fragile Konstruktion ist.
Vertrautes Gelände, besetzte Stadt
rtrautes Gelände, besetzte Stadt kommt als eine wohl chronologische, aber nicht datierte Ansammlung von kleinen Anekdoten, Begebenheiten, Alltäglichkeiten, Beobachtungen, Erfahrungen und Erinnerungen daher. Ein nettes, beliebiges Sammelsurium von Situationen, wie sie jedem passieren.
Ein kurzes Buch über die Liebe
Wenn aus einer Affäre mehr wird, obwohl die Spielregeln anders lauten: Der Schriftsteller Wolbeck beginnt ein Verhältnis mit der glücklich verheirateten Immoblilienmaklerin Vera Ruben. Die beiden verbringen gemeinsame Wochenenden voller Leidenschaft in Paris und Amsterdam. Von Beginn an gibt es eine Regel: „Verlieb dich nicht“. Doch schnell wird klar: Gefühle lassen sich nicht festlegen, sondern gehen eigene Wege...
Königswege
Es ist schieres Glück, dass Schlesinger den Koffer entdeckt. Aber dann fackelt er nicht lange und nimmt ihn an sich. Der Koffer ist voller Geld – und Schlesinger weiß, was er jetzt zu tun hat. Und auch der alternde Kunsthistoriker Vandenberg erlebt einen entscheidenden Augenblick in seinem Leben. Eigentlich hat er schon lange aufgegeben, an sein Glück zu glauben. Seine Frau ist ihm weggelaufen, und seine Freunde haben sich von ihm zurückgezogen. An einem kalten Apriltag beschließt Vandenberg schließlich, noch einmal nach Den Haag zu fahren und sich »Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge« anzuschauen, das berühmte und tiefgründige Gemälde des holländischen Malers Vermeer. Es wird eine schicksalhafte Reise für Vandenberg. Denn er begegnet nicht nur Grace, einer fremden schwarzen Frau, der er in ihre winzige Wohnung folgt. Er findet endlich heraus, welche Bedeutung Vermeers Bild für sein eigenes Leben hat. Ob Schlesinger oder Vandenberg – immer beobachtet Jochen Schimmang seine Helden in ganz besonderen Momenten ihres Lebens, Momente, in denen sie, die ewigen Verlierer und Zauderer, sich plötzlich aus ihrer Selbstverlorenheit zu reißen vermögen und zu begreifen beginnen, dass es immer einen »Königsweg« zum Glück gibt. Momente, von denen an sie mit einem mal alles richtig machen und sich am Ende ihres Glücks als würdig erweisen.
Die Geistesgegenwart
Ein Bild ist gestohlen worden. Auch die Lösegeldsumme ist verschwunden, und mit ihr der Überbringer. Mit der »sanften Halsstarrigkeit«, die man Schimmangs Figuren nachsagt, übernimmt Detektiv Kleff den Auftrag, dem Bild (Magritte, La présence d'esprit), dem Geld (70.000 DM) und dem Überbringer (Michael Werner) auf die Spur zu kommen. Die Spur führt nach Brüssel und geradewegs in das Bett der schönen Lucienne Lemaire, der Kleff rettungslos verfällt und die ihn auffordert zu gehen, als er sich besonders glücklich wähnt. Lucienne weiß mehr, als sie zugibt, und so lässt sie Kleff Schritt für Schritt den Weg gehen, den Michael Werner nahm. Kleff, der bei seinen Nachforschungen großartige Einblicke in das Gewerbe des Kunstdiebstahls erhält, findet das gesuchte Bild, aber noch ehe er den neuen Besitzer samt Bild sicherstellen kann, ist er kaltgestellt und Bild und Eigner erneut verschwunden. Als nächstes setzt ihn die schöne Lucienne auf die Spur: sie interessiert sich aus dunklen Gründen für den Verbleib des Lösegeldüberbringers, der, wie Kleff ermittelt, aus ebenso dunklen Gründen zwei Flugtickets nach San Diego gebucht hat. Warum zwei? Die Anhaltspunkte aus der Welt der Tatsachen sind spärlich, und nur zögernd setzt Kleff sie zu einem Bild zusammen, das ihm überhaupt nicht gefällt.
Das Vergnügen der Könige
Die Personen in Schimmangs Erzählungen leben in geregelten Verhältnissen, die jeder auf seine Weise scheinbar unvermittelt durchbricht oder hinter sich lässt. »Der Philosoph« verlässt den Vortrag auf leisen Sohlen, um auf der Straße schlendernd eine Tüte Trüffel mit Genuss zu verspeisen. »Die Bremer Ereignisse« erzählen vom Kaufmann Harm Oetken, der plötzlich von einer Dienstreise nach Bremen nicht mehr zurückkehrt und seine Firma durch den Prokuristen verkaufen lässt. Jochen Schimmang erzählt mit einer Leichtigkeit, die seine ungewöhnlichen Figuren und ihre Sehnsüchte ganz normal erscheinen lässt: den Geschichtsprofessor Hoffman, der nach einem gesichtslosen Ort sucht (Las Vegas und zurück), Degas, der »Das Leben der Linien« festzuhalten versucht, oder Herrn Burgher, dessen ganzes Unglück darin besteht, dass er »nicht ruhig im Gebirge bleiben konnte, allem Glück zum Trotz« (Herr Burgher springt in den Fluss). Ihre Sehnsüchte werden Wirklichkeit, manchmal, und für jeden anders. Sie sehnen sich »aber doch auch nach mehr«: endlich mit »der schönen Italienerin« sprechen zu dürfen ist für den Philosophen eine Erfüllung, aber das Ziel seiner Sehnsucht ist weit entfernt. Jochen Schimmangs Erzählungen sind leicht, voller Fantasie und Hintersinn, jedoch ohne belehren zu wollen. Mit einem wissenden Lächeln sieht man den Menschen zu, wie sie Bällen und Hasen nachlaufen.
Laborschläfer
Rainer Roloff führt ein zurückgezogenes Leben. Fragte man ihn nach seiner »Erwerbsbiografie«, so würde er sich als »Privatgelehrter« bezeichnen. Struktur bekommt sein Leben dank einer Langzeitstudie zum Einfluss des Schlafs auf das Gedächtnis, an der er als Proband teilnimmt. Dafür reist er regelmäßig von Köln nach Düsseldorf, selbst in Zeiten der Pandemie, um im Labor seine an das Aufwachen anschließenden Gedanken zu Protokoll zu geben. Roloff, ein Jahr älter als die Bundesrepublik, ist ein idealer und ergiebiger Proband, mit einem Elefantengedächtnis und Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen dem kollektivem Unbewussten und der individuellen Erinnerung. Dr. Meissner, der die Studie leitet, findet überwiegend »sehr gelungen«, was sein Proband ihm in einer Mischung aus zeitgeschichtlicher und persönlicher Erinnerung und spielerisch-absurder Noch-Traum-Logik erzählt. Doch dann gerät das Gedächtnis des Schlafforschers selbst aus dem Gleichgewicht… Einmal mehr erweist sich Jochen Schimmang als Meister einer nonchalanten Melancholie, als hintersinniger Chronist der Geschichte, deren teilnehmender Beobachter er ist.
Der Norden leuchtet
Kurzgeschichten und Novellen von Jochen Schimmang. Enth. u.a.: Ein glücklicher Wissenschaftler. Die Reise nach Wien.
Das Ende der Berührbarkeit
In "Das Ende der Berührbarkeit" lernen wir den Protagonisten Holger Jülich kennen, der fortan nur noch bei seinem Nachnamen genannt wird. Er ist eigentlich der typische Einzelgänger. Zunächst erfahren wir nämlich, dass Jülich nicht gerne ausgeht oder etwas mit seinen sogenannten Freunden unternimmt. Er liebt es einfach in seiner Wohnung zu bleiben, Artikel zu schreiben oder an einem Roman zu arbeiten. Denn er ist vor allem ein: Schriftsteller und Gelehrter. Schon zu Beginn heißt es: "Holger Jülich hatte sich auf einem akademischen Spezialgebiet verschanzt". Schnell wird klar, dass Jülich nur an diesem Thema interessiert ist - was seine akademische Laufbahn betrifft. Ein auktorialer Erzähler berichtet uns am dem Leben Jülichs und dass er sich vorgenommen hatte, nie sesshaft zu werden. Wir werden in Jülichs Liebschaften und Affären mit eingebunden und erleben einen Protagonisten, der keine Familie zu haben scheint. Eines Tages begibt sich Jülich auf die Party von Anna. Einer Frau, die er zuerst immer gemieden hat. Doch an diesem Abend ändert sich alles für Jülich. Er verliebt sich unsterblich in Anna, hat Sex mit ihr und scheint danach wie besessen von ihr zu sein. Doch sie will nur ihren Exfreund vergessen. Im Zuge dessen scheitert die Beziehung der beiden natürlich. Danach scheint für Jülich alles schlechter geworden zu sein. Nur eine große Reise scheint ihm wieder auf die Füße zu helfen. Doch kann er Anna wirklich vergessen? Kann er sein altes Leben zurückbekommen? Und wird er je wieder der Alte?
Der schöne Vogel Phönix
»Ich war letzten Endes noch immer allein: ein Mönch in einer Lederjacke.« »Eines Tages würde sich ein deutscher Mr. Kane in irgendeiner deutschen Kneipe am Tresen dazu veranlasst sehen zu sagen: ›Murnau? Ich finde ihn unausstehlich, aber wir brauchen ihn nun einmal.‹« Davon träumt der junge Murnau Ende der 60er Jahre in Berlin: Unverzichtbar zu sein in dieser Zeit. Ein Roman, der das Leben seines jungen Helden Murnau im Alter von fünfzehn bis dreißig Jahren erzählt. Er berichtet von der »ostfriesischen Schülerboheme« und von Berlin in den frühen 70er Jahren; von Liebesgeschichten, von vielen Umzügen und einigen Reisen, von Geschichten, die nur im Kopf, und solchen, die wirklich passiert sind. Die Spätphase der antiautoritären Bewegung, Studium, Kaderarbeit für eine K-Gruppe und der Bruch mit dieser Gruppe, Schwierigkeiten beim Übergang ins Berufsleben – über ein Jahrzehnt hinweg erzählt dieses Buch eine individuelle Geschichte, die gleichzeitig eine kollektive ist. »Überleben ist schwieriger geworden«, sagt Murnau am Ende des Romans.
50 Jahre Stadtbibliothek Leer
Rede, gehalten von Jochen Schimmang, zum 50-jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek Leer.
Christian Morgenstern
Seine Lyrik war subversiv, seine Übersetzungen werden bis heute gerühmt, seine "Galgenlieder" zählen zu den populärsten deutschen Gedichten. Christian Morgenstern war einer der interessantesten Autoren seiner Zeit. Geboren im Jahr 1871, erlebte er eine Epoche der radikalen geistigen, technischen und kulturellen Umbrüche: den Eintritt in die Moderne. Zu seinen Generationsgenossen zählen Rilke, Hofmannsthal und Robert Walser. Morgensterns Werk reagierte in seiner Vielfalt und seiner Zerrissenheit auf eine Ära, die im raschen Wandel begriffen war. Jochen Schimmang wirft in seiner Biografie ein neues Licht auf Leben und Werk dieses bedeutenden Dichters.
Das Beste, was wir hatten
Jochen Schimmang erzählt die Geschichte von Leo Münks, Verfassungsschützer, und Gregor Korff, Ministerberater. Ihre Köln-Bonner BRD-Welt gerät mit der Wende ins Wanken: Gregor erfährt, dass seine große Liebe, die ihn Mitte der Achtzigerjahre plötzlich verlassen hat, ein Stasi-Spitzel war; und Leo Münks wird ein Freund aus Berliner Studententagen, der ein Germania-Denkmal in die Luft sprengen will, beinahe zum Verhängnis. Schimmang, der Archivar der verschwindenden Dinge, hat einen klugen und sehr spannenden Roman über die letzten Jahrzehnte der Bonner Republik geschrieben.
Grenzen Ränder Niemandsländer
Jochen Schimmang schreibt vom Glück, das an den Rändern verborgen liegen kann. Entlang seiner Autobiografie erzählt er davon, was es heißt, ein Kind der britischen Besatzungszone (und nicht eines deutschen Staates) zu sein. Er berichtet von frühen Grenzerfahrungen im 'Zonenrandgebiet' und an der höllandischen Grenze, vom verträumten dänischen Fährhafen Rodbyhavn, vom räumlichen und zeitlichen Ende der Welt, vom Transit BRD–Westberlin und vom Transitorischen im Allgemeinen. Er schreibt eine persönliche Kulturgeschichte des Verschwindens, des Verstecks, des Unsichtbarwerdens und prägender Lektüren. Diese literarischen Geländegänge führen sowohl in den englischen Klassenkampf wie zu Peter Handke in Chaville. Der Leser darf dem Autor in entlegenste Winkel folgen, auf Dachböden und in kindsgroße Löcher unterm Bahndamm. Festes Schuhwerk ist dazu nicht nötig. Es reichen Neugier und Entdeckerfreude.
Altes Zollhaus, Staatsgrenze West
Jochen Schimmang erzählt vom Leben an sich auflösenden Grenzen, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Bonner Republik. "Wer an der Grenze steht, kommt schnell mal einen Schritt vom Wege ab und gerät auf die andere Seite des Schlagbaums." Der geschasste Bonner Politikberater Gregor Korff hat sich abgefunden mit den Umwälzungen in seinem Leben, und er profitiert sogar davon: Eine Episode aus seiner Vergangenheit hat ihm in Form eines Bestsellerromans ein recht beachtliches Vermögen eingebracht, und so ist er heute, in den 2010er Jahren, Besitzer eines ehemaligen Zollhauses an der niederländischen Grenze, wo er zurückgezogen lebt. Lange Zeit ist ein pensionierter Zöllner sein einziger Kontakt, dann aber kommt frischer Wind in sein Leben: Er lernt einen enttarnten 'Landesverräter' kennen; zwei serbische Kinder besuchen ihn auf der Durchreise; übers Kino tritt er in Kontakt mit zwei jungen Leuten aus der nahen niederrheinischen Kleinstadt, und ein Freund aus Gregors aktiven Tagen stattet ihm einen Besuch ab. Der "alte Spinner vom Zollhaus" wird nach und nach wieder vergesellschaftet. Gregor Korff ist definitiv nicht auf der Höhe der Zeit, und eben dieser Abstand schärft seinen Blick. "Altes Zollhaus, Staatsgrenze West" ist ein kluger, subtil komischer Roman über die Freundschaft, das Alter und das Verschwimmen von Zeiten und Grenzen.
